Sardinien
Sardiniens Nordosten rund um die Costa Smeralda und das Maddalena-Archipel gehört zu den schönsten, aber auch anspruchsvollsten Segelrevieren des Mittelmeers – smaragdgrünes Wasser, rosafarbener Granit und kräftiger Mistral verlangen aufmerksame Navigation. Der Überblick zu Marinas, Inseln, Wind und bester Reisezeit.
Sardinien ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel des Mittelmeers, seglerisch spielt sich das Geschehen für Yachcharter Segler aber fast ausschließlich im Nordosten rund um Olbia ab – an der mondänen Costa Smeralda und dem vorgelagerten Maddalena-Archipel, das nur eine schmale Meerenge von Korsika trennt. Türkisfarbenes Wasser vor rosa schimmerndem Granit, feinsandige Buchten und mondäne Hafenorte wie Porto Cervo prägen das Bild. Kleinere Charterbasen gibt es zudem im Süden bei Cagliari und im Westen bei Carloforte.
Diese Seite bündelt das Wichtigste über das Revier und verweist auf die weiterführenden Detailseiten zu den einzelnen Häfen.

Das Revier auf einen Blick
- Lage: Nordosten Sardiniens rund um Olbia, Costa Smeralda und Maddalena-Archipel, nahe der Straße von Bonifacio zu Korsika; kleinere Reviere im Süden (Cagliari) und Westen (Carloforte)
- Wichtigste Charterbasen: Portisco, Cannigione und Olbia selbst, alle rund um den Golf von Olbia
- Inseln: Maddalena-Archipel mit La Maddalena, Caprera, Spargi, Budelli und Santa Maria; dazu San Pietro im Südwesten
- Charakter: smaragdgrünes Wasser, rosafarbener Granit, mondäne Hafenorte, felsreiche Küste – anspruchsvolles Revier für aufmerksame Navigation
- Wind: kräftiger Mistral aus Nordwest, verstärkt durch die Straße von Bonifacio; in Vor- und Nachsaison oft noch kräftiger
- Beste Reisezeit: Mai, Juni, September und Oktober mit weniger Touristen; Juli/August für lebendige Atmosphäre und warmes Wasser
- Anreise: internationaler Flughafen Olbia, weitere Flughäfen in Cagliari und Alghero
Warum Sardinien?

Kaum ein anderes Mittelmeerrevier bietet eine derart intensive Farbpalette: Das Wasser der Costa Smeralda changiert zwischen Türkis und Smaragdgrün, dazu rosafarbener Granit, der von Wind und Wetter zu bizarren Formen geschliffen wurde. Das vorgelagerte Maddalena-Archipel mit seinen unzähligen kleinen Inseln gilt als eines der schönsten Segelreviere des gesamten Mittelmeers.
Dazu kommt die Nähe zu Korsika: Durch die Straße von Bonifacio, nur wenige Seemeilen vom Maddalena-Archipel entfernt, lässt sich ein Abstecher zur französischen Nachbarinsel unternehmen. Die Meerenge hat allerdings einen zweifelhaften Ruf – dazu weiter unten mehr.
Ein ehrlicher Hinweis zum Anspruch des Reviers: Sardinien ist kein Einsteigerrevier. Der Mistral kann kräftig und mit wenig Vorwarnung auffrischen, die Küste ist reich an Felsen und Untiefen, und in der Hochsaison sind die mondänen Häfen der Costa Smeralda entsprechend teuer und voll. Wer sichere Navigation und etwas Segelerfahrung mitbringt, wird aber mit einem der eindrucksvollsten Reviere des Mittelmeers belohnt.
Revierhighlights im Überblick:
Costa Smeralda – Portisco
Die Costa Smeralda zählt bis heute zu den exklusivsten Küstenabschnitten Italiens. Porto Cervo mit seinem Yachthafen ist das Herzstück – hier legen im Sommer einige der größten Megayachten der Welt an. Portisco, südlich davon, ist zugleich eine der größten Charterbasen der Insel.

Cannigione
Cannigione liegt geschützt im Golf von Arzachena, etwas ruhiger und weniger glamourös als die Costa Smeralda selbst, dafür mit kurzen Wegen zum Maddalena-Archipel. Der Ort selbst bietet Supermärkte, Restaurants und eine entspannte Atmosphäre abseits des Trubels.


Maddalena-Archipel
Das Maddalena-Archipel besteht aus sieben Hauptinseln und rund 60 kleineren Inseln und Felsen aus rosa schimmerndem Granit, seit 1994 als Nationalpark geschützt. Höhepunkt ist der berühmte Spiaggia Rosa (Rosa Strand) auf Budelli mit seinem durch Korallenfragmente rosa gefärbten Sand – heute allerdings aus Naturschutzgründen nicht mehr zum Baden freigegeben, nur noch aus der Ferne zu bewundern.

Olbia
Olbia ist das Tor zur Costa Smeralda: internationaler Flughafen mit Direktflügen, mehrere Marinas und eine lebendige Altstadt mit der romanischen Kirche San Simplicio. Für viele Crews ist die Stadt der praktische Start- und Endpunkt eines Törns.
Nationalpark La Maddalena
Das Maddalena-Archipel zwischen Sardinien und Korsika steht seit 1994 als Parco Nazionale dell’Arcipelago di La Maddalena unter Schutz – der erste Nationalpark Sardiniens. Das Schutzgebiet umfasst über 20.000 Hektar Land- und Meeresfläche mit rund 180 Kilometern Küstenlinie. Bewohnt ist im Wesentlichen nur die Hauptinsel La Maddalena selbst; alle übrigen Inseln lassen sich nur per Boot erreichen – genau das macht den besonderen Reiz für Charter-Crews aus.

Wissenswertes zum Nationalpark – bitte unbedingt beachten
- Genehmigungspflicht: Wer im Park segelt oder ankert, braucht eine kostenpflichtige Genehmigung der Parkverwaltung (online über lamaddalenapark.it), gestaffelt nach Bootslänge und Aufenthaltsdauer
- Zonen: Zone Ma (Kernzone) ist komplett gesperrt – Betreten, Ankern und teils sogar Durchfahrt verboten; in Zone Mb ist Ankern/Festmachen an Bojen tagsüber erlaubt, nachts meist nur mit Absaugtank an ausgewiesenen Plätzen
- Charterfirmen: Viele Anbieter haben feste Rahmenvereinbarungen mit der Parkverwaltung und übernehmen die Genehmigung bereits im Charterpreis – unbedingt bei der Buchung nachfragen
- Wichtig – Regeln in Bewegung: Die genauen Ankerregeln haben sich zuletzt mehrfach geändert, unter anderem wurde 2024 ein umfassendes nächtliches Ankerverbot erlassen und zwischenzeitlich wieder ausgesetzt. Der aktuelle Stand kann sich kurzfristig ändern – vor dem Törn unbedingt bei der Charterfirma oder spätestens direkt an der Basis erfragen, um Bußgelder zu vermeiden

Die Inseln und Ankerbuchten
Nur wenige Seemeilen nördlich des Maddalena-Archipels trennt die Straße von Bonifacio Sardinien von Korsika – eine der berüchtigtsten Meerengen des Mittelmeers. Auf der engsten Stelle wird der Wind wie durch einen Trichter beschleunigt, aus Beaufort fünf können hier schnell acht oder neun werden, dazu Strömungen von bis zu drei Knoten. Erfahrene Crews nutzen die Passage für einen Abstecher zur Festungsstadt Bonifacio oder weiter nach Porto Vecchio und Propriano – für weniger geübte Segler ist von einer Durchquerung ohne genaue Wetterprüfung eher abzuraten.
Im Südwesten der Insel liegt San Pietro mit dem Hauptort Carloforte – eine kulturelle Besonderheit, denn die Insel wurde im 18. Jahrhundert von ligurischen Fischerfamilien besiedelt, die bis heute einen eigenen Dialekt und eine eigene Küche pflegen, bekannt vor allem für Thunfischgerichte. Carloforte ist deutlich ruhiger und ursprünglicher als die Costa Smeralda.
Im Süden der Insel liegt Cagliari, die Hauptstadt Sardiniens mit eigenem Flughafen und mehreren Marinas. Die Altstadt mit dem historischen Stadtviertel Castello lohnt einen Landgang; von hier aus lässt sich die Südküste mit ihren ausgedehnten Sandstränden erkunden – ein ruhigeres und günstigeres Alternativrevier zum trubeligen Nordosten.

Wind und beste Reisezeit
Sardinien ist ein Mistral-Revier: Der kräftige, böige Nordwestwind kann das ganze Jahr über auffrischen, meist mit wenig Vorwarnung, und dann mehrere Tage anhalten. Besonders in der Straße von Bonifacio und rund um exponierte Kaps wird er durch die Topografie zusätzlich verstärkt.
Im Sommer treten zudem lokale Thermikwinde und gelegentlich der Libeccio aus Südwest auf. Wer den Wetterbericht ernst nimmt, findet im dichten Netz aus Buchten des Maddalena-Archipels aber fast immer eine geschützte Alternative. Insgesamt gilt Sardinien als Revier für Crews mit etwas Erfahrung, weniger für den allerersten Charter-Törn.
Mai, Juni, September und Oktober bieten weniger Touristen und angenehme Temperaturen, allerdings kann der Mistral in der Vor- und Nachsaison kräftiger wehen als im Hochsommer. Juli und August bringen das wärmste Wasser und die lebendigste Atmosphäre, dafür aber auch die höchsten Liegegebühren und volle Häfen, besonders an der Costa Smeralda.
Marinas und beliebte Anlaufpunkte im Porträt
Portisco und das benachbarte Cala dei Sardi gehören zu den größten Charterbasen der Insel, mit direktem Zugang zum Golf von Arzachena und kurzen Wegen zum Maddalena-Archipel. Cannigione liegt nur wenige Seemeilen entfernt, etwas ruhiger und ebenfalls sehr gut als Ausgangspunkt geeignet.
Olbia selbst verteilt sich auf mehrere kleinere Marinas rund um die Stadt, dazu den zentralen Anleger Molo Brin direkt im Zentrum – allerdings mit eingeschränkter Infrastruktur. Der internationale Flughafen liegt nur wenige Kilometer entfernt und wird direkt aus dem deutschsprachigen Raum angeflogen.
Im Süden bietet Cagliari mit der Marina di Cagliari und der Marina di Bonaria zwei größere Anlaufpunkte für alle, die das ruhigere Südrevier bevorzugen. Im Nordwesten liegt zudem Alghero mit kleineren Charterangeboten – katalanisch geprägt und mit eigenem Flughafen, aber insgesamt deutlich weniger frequentiert als der Nordosten.
Häufige Fragen (FAQ)
Fazit
Sardinien vereint smaragdgrünes Wasser, rosafarbenen Granit und mit dem Maddalena-Archipel eines der schönsten Segelreviere des Mittelmeers – fordert dafür aber auch etwas Segelerfahrung und aufmerksame Navigation. Wer den kräftigen Mistral und die felsreiche Küste zu schätzen weiß, findet im Nordosten rund um Olbia ein eindrucksvolles Revier, ergänzt um ruhigere Alternativen im Süden und Westen der Insel.
Hinweis: Angaben zu Bestimmungen, Marinas und Gebühren können sich jederzeit ändern und sind ohne Gewähr. Für die Einhaltung der vor Ort gültigen Vorschriften und Nationalpark-Regeln ist der Skipper selbst verantwortlich.
